Nachgefragt bei Markus Monstein

Gibt es Platz für eine zweite Galoppsport-Plattform?

Der neue Blog Galoppszene by Barbara Würmli ist keine Konkurrenz für horseracing.ch. Die Erklärung dazu kann im Artikel «Ein Herzenswunsch erfüllt sich» nachgelesen werden.

Da aber horseracing.ch während vielen Jahren die einzige Pferderennsport-Plattform der Schweiz war, möchte ich gerne wissen, wie Markus Monstein der Initiant und Chefredaktor von horseracing.ch, zu einer neuen Galoppsport-Webseite steht und was er davon hält. Freundlicherweise hat er sich für ein Interview bereit erklärt.

Markus Monstein – Initiant und Chefredaktor von horseracing.ch – Foto: Nathalie Vorburger, horseracing.ch

Markus Monstein – Initiant und Chefredaktor von horseracing.ch – Foto: Nathalie Vorburger, horseracing.ch

Nachgefragt bei Markus Monstein

Lieber Markus, kürzlich habe ich dich darüber informiert, dass ich die neue Webseite/Blog Galoppszene by Barbara Würmli starte. Natürlich mit der Erklärung, dass mein Blog auch längerfristig keine Konkurrenz für horseracing.ch darstellt. Hast du die Mitteilung positiv aufgenommen oder eher mit gemischten Gefühlen?

Markus Monstein: Zunächst möchte ich dir, liebe Barbara, zu diesem Schritt gratulieren und alles Gute wünschen. Es braucht Leute wie dich, die mit Engagement etwas versuchen in unserem Sport. In der heutigen Konsumgesellschaft ist genau dies nicht mehr selbstverständlich. Deine Ankündigung habe ich sehr positiv aufgenommen. Ich denke, dass sich galoppszene.ch zu einer Bereicherung für unsere kleine Rennsport-Szene entwickeln kann. Wir brauchen unbedingt auch neue Leute im Schweizer Rennsport. Wenn über galoppszene.ch jemand neu zum Sport kommt, umso besser. Was wir von horseracing.ch dazu beitragen können, tun wir gerne!

Vielen Dank, für die guten Wünsche.

Ich werde in den Artikeln auf Galoppszene häufig zu horseracing.ch verlinken. Siehst du von deiner Seite her ebenfalls die Möglichkeit Galoppszene auf horseracing.ch bzw. in horseracing.ch-Artikeln zu verlinken und somit zu unterstützen?

Von solchen gegenseitigen Verlinkungen können wir beide – sowie auch unsere Leserinnen und Leser – nur profitieren. Also von unserer Seite ein klares Ja!

Zu Galoppszene gehört auch eine Facebookseite auf der es (wenn möglich) tägliche Kurzmeldungen geben soll. War Facebook oder allgemein Social Media nie ein Thema für horseracing.ch?

Du sprichst ein Thema an, das wir uns lange und immer wieder überlegt haben. Und wie du siehst, haben wir Facebook und das gesamte Thema Social Media nicht angepackt. Dies ganz bewusst, und zwar aus mehreren Gründen. Alles aufzuzählen, würde den Rahmen hier sprengen. Der wichtigste Grund für uns ist, so seltsam das jetzt vielleicht klingen mag, das Thema Tierschutz. Respektive Leute, die sich dem Tierschutz verschrieben haben und eben vor allem auf Social Media-Plattformen aktiv sind. Die Tierschützer haben eine sehr wichtige Funktion. Doch leider sind sie oftmals falsch informiert, was wir alle, die wir unseren Sport lieben, ja immer wieder feststellen müssen. Unsere Überzeugung ist die, dass wir rennsport-spezifische Tierschutzthemen in unseren eigenen Kreisen aufgreifen und diskutieren müssen – und dass dies eben nicht auf öffentlichen Plattformen geschehen sollte. Denn dort ist völlig ungewiss, wer alles mitliest und mitkommentiert, egal wie gering der Wissensstand und wie gross die Verklärtheit der Nicht-Rennsport-Leute dort ist. Nur schon auf horseracing.ch, das ja auf unseren Abonnenten-Kreis beschränkt und «nicht-öffentlich» ist, hat die Berichterstattung zu möglicherweise tierschutzrelevanten Themen in der Vergangenheit grossen Wirbel ausgelöst. Du erinnerst dich vielleicht noch an die Kommentar-Funktion, die wir ins Leben gerufen hatten: Da wurde bald einmal so persönlich und unter der Gürtellinie argumentiert, dass wir bezüglich der Kommentar-Funktion einen Schluss-Strich gezogen haben und diese seither nur noch sehr selten einsetzen. Bei Facebook stelle ich mir «Kontrolle» noch um ein Vielfaches schwieriger – wenn nicht sogar unmöglich – vor. Die Diskussionen können ins Uferlose gehen und dem Rennsport allenfalls schaden. Aber du hast dir das sicher auch überlegt und wirst hoffentlich den Beweis antreten, dass es auch anders geht.

Ich habe mir diese Problematik in der Tat überlegt und bin zum Schluss gekommen, dass ich auf der Webseite/Blog die Kommentarfunktion versuchsweise für alle Artikel öffne. Allerdings behalte ich es mir vor, diese wieder zu schliessen, wenn sie unangemessen verwendet wird. Zudem werde ich sowohl auf der Webseite wie auch auf der Facebookseite Kommentare und Diskussionen, die meines Erachtens verletzend, anmassend, unsittlich oder sonst wie unangebracht sind, löschen.

Ideen für den Rest des Lebens

Mit dem Newsservice und der Datenbank bietet horseracing.ch schon sehr viel. Gibt es für die Zukunft trotzdem noch Ausbaupläne?

Auf jeden Fall! Ideen haben wir noch viele. Wenn mir einmal die Ideen ausgehen, bin ich vermutlich nicht mehr am Leben… Zum einen gibt es bei der Datenbank, deren vielfältige und hilfreiche Funktionen viele Leute aus unserem Sport wohl bisher gar nicht alle entdeckt haben, noch weitere Ausbau-Möglichkeiten. Der Programmierer hat bereits wieder eine Liste mit Wünschen von mir bekommen. Bis zum Start der neuen Saison wird in diesem Bereich mit Sicherheit noch einiges an Verbesserungen zu sehen sein.

Weiter diskutieren wir auch Neuerungen, respektive Ergänzungen im Newsbereich. Da laufen einige Gespräche, die wir an dieser Stelle aber noch nicht öffentlich machen können. Und wir wollen vermehrt auch Multimedia-Inhalte anbieten. Unsere Kamera ist für die Rennfilme sowieso immer auf den Rennplätzen dabei. Die kann man auch für Interviews und so weiter einsetzen. Auch einen regelmässigen Rennsport-Talk können wir uns vorstellen. Zudem haben wir weitere Ideen für die Wetter, ein für uns und den gesamten Rennsport sehr wichtiges Grüppchen, das nicht weiter schrumpfen darf, sondern im Gegenteil wieder wachsen muss. Wir freuen uns, in der neuen Saison mit Neuerungen weiter positiv zu überraschen!

Was meinst du, werden in absehbarer Zeit weitere Schweizer Pferderennsport-Portale und Blogs entstehen?

Das ist durchaus möglich. Wobei zwei Faktoren eher dagegen sprechen. Zum einen ist der Aufwand, je nach gewünschter/gebotener Aktualität und Qualität beträchtlich. Und zum anderen ist unsere Szene doch ziemlich klein, verglichen mit unseren Nachbarländern Deutschland oder Frankreich.

Meine letzte Frage: Hand aufs Herz – Hat Markus Monstein als Pferderennsport-Journalist noch Träume? Vielleicht ein eigenes Rennbahn-Fernsehen oder ähnliches?

Mit den Träumen ist es wie mit den Ideen: Habe ich keine mehr, bin ich nicht mehr ich – oder nicht mehr auf dieser Welt. Als Pferderennsport-Journalist oder -Unternehmer kann ich Deine Frage so beantworten: Wenn Geld keine Rolle spielen würde, wäre ein eigenes Rennsport-Fernsehen in der Tat eine sehr verlockende Sache. Wir hatten seinerzeit mit dem Sportfernsehen einige Dielsdorf-Renntage übertragen und das hat enorm viel Spass gemacht. Doch eben, das liebe Geld spielt halt in der Realität doch eine Rolle. Geld und Zeit sind die aktuell limitierenden Faktoren, welche der Verwirklichung der meisten meiner Träume noch im Weg stehen. Doch aufgeben gilt nicht!

Auch den Traum einer eigenen Publikation für den Schweizer Rennsport habe ich noch nicht aufgegeben. Ob eine Zeitung oder ein Magazin: Wichtig ist die Ausrichtung auf die Schweiz. Die Besitzer (auch diese Gruppe darf nicht noch kleiner werden, wie die Wetter!) verdienen mehr Wertschätzung, Siege von ihren Pferden müssen wieder präsenter sein. Denn Hand aufs Herz (und da spreche ich jetzt auch als Präsident von Stall Allegra), ein Sieg macht halt schon weitaus mehr Spass, wenn man ihn nicht quasi unter Ausschluss der Öffentlichkeit feiert. Genauso wichtig ist, dass Siege überhaupt irgendwo in einem Medium Erwähnung finden. Ein Beispiel dazu: Als kleines Mosaiksteinchen versuchen wir auf horseracing.ch, wenn immer möglich, Siegerfotos zu publizieren. Bis zur Vervollständigung des grossen Bildes aus all diesen Steinchen, wird noch einige Zeit vergehen. Doch nur wer es versucht und Tag für Tag sein Bestes gibt, kann es schaffen! Wir arbeiten genau da dran.

Herzlichen Dank, lieber Markus, dass du mir dieses Interview gegeben hast. Ich wünsche dir und horseracing.ch weiterhin viel Erfolg und hoffe auf eine gute Zusammenarbeit.

Schreiben Sie einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.