Was machen Katja Ulm und Peter Müller?

Katja Ulm und Peter Müller waren viele Jahre im Schweizer Rennsport aktiv – unvergessen ist ihre Stute Crazy Lady. Die beiden haben vor 13 Jahren den Schritt gewagt, nach Canada auszuwandern um ihren Traum von der eigenen Vollblutzucht auf der Queensvalley Farm in Bognor (Ontario), zu verwirklichen.

Katjas und Peters Weg

Liebe Katja, lieber Peter, ihr habt vor 19 Jahren in Frankreich eure ersten selbst gezüchteten Fohlen aufgezogen und mit dem ersten Produkt Catchacoma gleich einen Volltreffer gelandet. Zählt doch hier nochmals kurz auf, was seine grössten Erfolge waren:

Katja und Peter: Seine grössten Siege sind seine beiden Quinté-Handicaps in St. Cloud und natürlich das Listen-Rennen in Marseille (Grand Prix Gaston Defferre). Er hat uns immer wieder überraschen können und hat alles gegeben. Wir erinnern uns auch immer wieder gerne an seine tollen Leistungen in München, wo er zwar nicht gewonnen hat, aber mit ganz tollem Endspurt beide Male mit kurzem Kopf Zweiter war. Für uns waren diese zweiten Plätze fast wie Siege.

Catchacoma mit seinen Geschwistern auf der Queensvalley-Farm – Foto: zvg

Catchacoma (im Vordergrund) mit seinen Geschwistern auf der Queensvalley-Farm – Foto: zvg

Lebt Catchacoma noch und wenn ja, wie geht es ihm?

Ja, er lebt noch. Mittlerweile ist er fast 20 Jahre alt, die man ihm überhaupt nicht ansieht. Er ist auch immer noch der Boss der Herde, da kommt niemand an ihm vorbei.

Wir hatten ihn ja damals nach Amerika verkauft. Auf dem harten Turf in Californien verletzte er sich kurz darauf und seine Rennkarriere war beendet. Wir holten ihn zurück und gaben ihm seinen wohlverdienten Ruhestand auf unserer Farm. Seine Mutter Crazy Lady wurde 23 Jahre alt und war bis zum Schluss kerngesund. Nur wegen einem Weideunfall (Schlag durch ein anderes Pferd) mussten wir uns schweren Herzens von ihr verabschieden.

Englisch besser als Französisch

Wieso habt ihr euch trotz euren Erfolgen in Frankreich entschieden, nach Canada auszuwandern?

Canada war schon immer Peters Traum und da unser Englisch besser war als unser Französisch und wir auch mit den Canadiern besser zu Rande kamen, haben wir uns für dieses Land entschieden. Vom Rennsport her gefällt uns der französische zwar viel besser. Hier in Nordamerika wird sehr viel auf Speed gezüchtet und auch gekauft. Uns gefallen aber die längeren Rennen auf Turf und dementsprechend züchten wir auch in diese Richtung.

Katja mit der vielversprechenden zweijährigen Lady Stark. – Foto: zvg

Katja mit der selbst gezogenen zweijährigen Lady Stark. – Foto: zvg

Und wie ist es euch in Canada ergangen? Was ist – sagen wir mal in den ersten zehn Jahren (in der Kurzfassung erzählt) – in Canada passiert?

2002 kauften wir eine ziemlich heruntergekommene 40 Hektaren grosse ehemalige Rinderfarm, zwei Stunden nordwestlich von Toronto. Wir haben unsere Weiden alle selber von Hand eingezäunt und auch die Boxen selber gebaut. Wir waren in unserer Gegend lange als die «crazy Swiss peoples» bekannt, weil wir sogar bis in den tiefen Winter hinein Zäune errichtet haben.

Damals brachten wir unsere beiden Zuchtstuten Crazy Lady und Vinona von Frankreich über den Teich und haben noch ein paar Stuten dazugekauft. Crazy Lady’s Produkte konnten hier im speedbetonten Canada leider keine Akzente setzen, aber sonst haben wir verhältnismässig viele Sieger gezüchtet. Vor allem auf die Singspiel Stute Vinona konnten wir uns verlassen. Ausser ihrem ersten Produkt waren alles richtig gute Rennpferde, einer war auch listedplatziert. Leider schlug das Schicksal zu und wir verloren Vinona ganz plötzlich an einer Herzembolie. Auch sonst mussten wir ein paar herbe Rückschläge einstecken. Nicht einfach, wenn man mit Leib und Seele dabei ist. Ich glaube, alle Pferdeliebhaber verstehen was ich meine… Aber unsere erfolgreichsten Pferde haben bis zu $250’000 verdient!

Wow, eindrückliche Zuchterfolge. Seid ihr aktuell noch in der Vollblutzucht und im Rennsport aktiv?

Peter ist seit ein paar Jahren erfolgreich in der Solarindustrie tätig, wir selber haben zwei Solartracker. Ich arbeite auch seit sieben Jahren wieder vollzeitig in meinem Beruf in der Druckindustrie. Momentan ist die Zucht somit vor allem wegen Zeitmangels auf Eis gelegt. Wir haben noch eine Zuchtstute, eine Tochter unserer geliebten Crazy Lady. Von ihr haben wir eine zweijährige Artie Schiller Stute – Lady Stark – die im Training ist. Eine weitere zweijährige Stute – Hawk Alley – von Flower Alley aus der Glorious Hawk, einer Tochter von Vinona, wurde verkauft und hat gerade als Vierte ihr Renndebut gegeben. Auch auf ihr liegen noch einige Hoffnungen. Sie ist bei Marc Casse, dem besten Trainer in Canada, im Training.

Das sind zwei sehr interessante junge Stuten. Gib mir doch jeweils kurz durch, wenn sie Siege oder gute Plätze zu verzeichnen haben. Auf der Facebookseite von Galoppszene möchte ich auch regelmässig über Auslanderfolge mit Schweizer Bezug berichten.

Nun aber weiter mit den Fragen: Gebt ihr den Galoppszene-Lesern einen kleinen Einblick in euren aktuellen Alltag in Canada und speziell auf eurer Queensvalley-Farm?

Da wir, wie schon erwähnt, momentan nicht züchten, ist es eher ruhig auf der Farm. Es sind nur drei Pferde da, die das Gras kurz halten: Catchacoma, seine Halbschwester Lady of Oz und ein anderer Halbbruder der gesundheitsbedingt nie gelaufen ist. Alle drei sind zusammen draussen, Tag und Nacht, auch im Winter bei bis zu -30 Grad! Sie erhalten morgens und abends ihr Kraftfutter und im Winter natürlich Heu soviel sie wollen. Sollte ich eines Tages berufsmässig etwas zurücktreten, fangen wir bestimmt wieder an zu züchten, wenn auch nur für unseren eigenen Rennpferdebedarf.

Hand aufs Herz – Sind eure Träume in Erfüllung gegangen?

Nicht alle, aber die meisten schon. Wir haben es eigentlich niemals bereut diesen Schritt gemacht zu haben, auch wenn nicht alles ganz so geklappt hat wie erhofft. Aber wir sind froh, es gewagt zu haben, unsere Träume zu verwirklichen. Wir haben viel gelernt und erlebt, unser Horizont ist etwas weiter geworden.

Wird man euch auch einmal wieder auf Schweizer Rennbahnen antreffen?

Ganz bestimmt. Als wir letztes Jahr im September in der Schweiz waren um Peters 50sten zu feiern, waren wir in Aarau an den Rennen. Es war als wäre man nie weg gewesen. Viel hat sich nicht verändert auf unserer Heimbahn. Auch viele nette bekannte Gesichter haben wir gesehen. Schade, die Zeit war zu kurz um mit allen zu reden. Man kann dieselben Geschichten auch nur begrenzte Male am gleichen Tag erzählen. 😉 Schön wäre es natürlich auch, mal wieder nach St. Moritz zu kommen. Wer weiss, eines Tages. Wir sind ja bekannt dafür, unsere Träume wahr zu machen…

Welch schönes Schlusswort. Ganz herzlichen Dank, liebe Katja und lieber Peter, dass ich dieses Interview mit euch führen durfte. Die Leser von Galoppszene und ich wünschen euch viel Glück und Erfolg für eure weitere Zukunft.

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