Karl Klein und Tochter Isabelle: Blick zurück und in die Zukunft

Der dienstälteste Schweizer Galopptrainer Karl Klein ist eigentlich schon seit drei Jahren pensioniert, doch er steht nach wie vor jeden Morgen um halb sechs Uhr im Stall und übt nicht nur eine Aufsichts- und Cheffunktion aus, sondern ist sich nach wie vor nicht zu schade bei der Stallarbeit mitzuhelfen, Pferde in die Führmaschine zu bringen, Futter herzurichten usw. Kurz gesagt: der klein gewachsene Mann – seine Karriere begann ja 1968 als Jockey – ist immer noch der bescheidene Schaffer, der er schon immer war und so geht leider fast vergessen, dass er eigentlich ein ganz grosser seines Berufstands ist.

Alles begann mit einem Traber

Karl Kleins Vater war Fuhrmann in Uster, das Pferdegen lag also in der Familie und Karl war somit von klein auf mit Pferden vertraut. Allerdings waren die Pferde nicht von Anfang an die Hauptakteure in seinem Leben. Er absolvierte seine Schulzeit und machte danach eine Mechanikerlehre in einer Lastwagenfabrik und half nur nebenher seinem Vater im Fuhrbetrieb. So richtig aufs Pferd gekommen ist er dann – man kann es kaum glauben – durch einen Traber, der zu seinem ersten Lieblingspferd wurde. Und zwar nicht irgend ein Traber, sondern einer, der zweimal den Prix d’Amerique gewonnen hatte und nach seiner Rennkarriere im Fuhrunternehmen der Familie Ryffel – die eben auch Trabrennpferde besass und die Arbeitgeber von Vater Klein waren – als Fuhrpferd eingesetzt wurde. Ein zweifacher Prix d’Amerique-Sieger als Fuhrpferd? Damals eine übliche zweite Karriere für einen Traber, heute kaum mehr vorstellbar.

1966 absolvierte Karl Klein einen Rennreiterkurs wo er seine ersten zwei inoffiziellen Übungsrennen bestritt und kurz danach die Chance bekam, bei Trainer Heini Raschle als Arbeitsreiter seine Karriere zu starten. Zu dieser Zeit arbeitete Karl Klein nebenher noch immer als Mechaniker. Er bekam dann aber von Rolf Müller – dem Vater von Trabertrainer und Trabfahrer Roland Müller – das Angebot, bei ihm morgens zu reiten und nachmittags im Baugeschäft zu arbeiten. Ab 1973 arbeitete Karl dann nur noch im Stall und als Jockey. Drei Jahre später wechselte er für ein Jahr zu Trainer Hans Woop, verschiedene weitere Stationen folgten. 1979 machte er dann den Schritt in die Selbständigkeit als Galopptrainer in Dielsdorf.

Trainer Karl Klein mit Tochter Isabelle – ein tolles Team. – Fotos: galoppszene.ch

Familie und Trainerkarriere

In dieser Zeit heiratete Karl auch seine Frau Regula und bekam mit ihr, Tochter Isabelle. Viele Leser können sich sicher noch daran erinnern, dass Regi – wie sie von allen genannt wurde – ihrem Mann oft den Rücken freigehalten hat. Sie war die starke Frau an seiner Seite, die die administrativen Aufgaben übernahm, die Buchhaltung führte und sich an den Renntagen um die Besitzer kümmerte und in gewisser Weise den Rennstall Klein repräsentierte, während Karl als bodenständiger Schaffer trainierte und seine Pferde zu ihren Erfolgen führte. Die leider viel zu früh verstorbene Regula Klein war auch als Züchterin tätig und während einiger Zeit Präsidentin der Züchtervereinigung. Sie war es auch, die die legendären Stallfarben des Stalles Wehntal ins Leben rief.

Wie viele Pferde er in all den Jahren trainiert und wie viele Siege er errungen hat, weiss Karl Klein nicht mehr. Zahlen sind ihm nicht so wichtig. Woran er sich aber gerne erinnert, sind grosse Pferdepersönlichkeiten und deren grosse Siege. Vor allem die speziellen Hindernissiege wie zum Beispiel zweimal der grosse Preis der Schweiz in Aarau, mit Giottino und Negus des Mottes oder auf der Flachen die zwei Gruppe III-Platzierungen von Street Rebel in Mailand, lassen seine Augen leuchten. «Auch der Grand Prix BMW-Sieg von Moonjaz oder der Sieg im Bäderpreis – einem der höchstdotierten Hürdenrennen im deutschsprachigen Raum – durch Stillman sind mir noch sehr präsent.» sagt Karl dazu. Auf etwaige «Lebenspferde» angesprochen, nennt er Honeydew Wonder, Sastago und natürlich den kleinen Schimmel Great Spain, der mit seinem grossen Kämpferherz 14 Rennen für Trainer Klein gewonnen hat. Interessant an der Arbeit von Karl ist auch, dass er in seiner langen Karriere nur sehr wenige Pferde durch schlimme Unfälle wie Beinbrüche verloren hat. Ein Fakt, der einen Trainer eigentlich noch mehr auszeichnet als grosse Siege.

Weiter am Ball

Wer nun denkt, nach dieser langen und intensiven Karriere, sei Karl Klein langsam müde und denke ans Aufhören, irrt sich. Auf die Frage nach der Zukunft meint Karl: «Solange ich gesund bin und es körperlich geht, werde ich auch im Stall mitarbeiten, im Training dabei sein und an den Renntagen auf der Bahn sein. Aber mein Name muss nicht mehr in den Rennprogrammen stehen, die Hauptverantwortung als Trainer gebe ich Schritt für Schritt an meine Tochter Isabelle ab.»

Der Grandseigneur ist nicht nur Chef, er arbeitet nach wie vor überall mit.

Ergänzend dazu meint der Trainer-Grandseigneur, dass er es manchmal ein bisschen leid sei, mit wenigen Pferden alles daran zu setzen, das Bestmögliche herauszuholen, möglichst viele und auch grosse Rennen zu gewinnen und trotzdem ein bisschen das Gefühl zu haben, man werde als älterer und kleiner Trainer – klein in Bezug auf die Anzahl Pferde – nicht mehr richtig ernst genommen, manchmal sogar belächelt. Darum sei es ihm ganz recht wenn bald einmal Isabelle im Vordergrund stehe und er quasi «in Ruhe» im Hintergrund wirken könne.

Die Nachfolgerin ist bereit und motiviert

Wenn man mit Isabelle Chrenka-Klein über ihre Rolle als Nachfolgerin spricht, wird schnell klar, dass sie zwar Rennpferdetrainerin mit Leib und Seele ist, aber auch eine zukunftsorientierte und objektiv vorausschauende Geschäftsfrau, die einen genauen Plan hat. Denn sie hat sich schon länger dafür entschieden, den Rennstall Klein weiterzuführen, wird aber – zumindest so lange ihr Vater noch aktiv mitarbeitet – ihre Vierzigprozent-Stelle als Sachbearbeiterin in einer Recyclingfirma behalten. Sie sagt dazu: «Der Schweizer Rennsport steht auf wackligen Beinen, die Anzahl Galopper wird im Moment eher kleiner als grösser und es zeichnet sich keine Änderung ab. Mein Vater trainierte in den Hochzeiten des Schweizer Galoppsports gut 30 Pferde. Zurzeit haben wir gerade noch ein Dutzend im Stall. Zehn davon sind aktive Rennpferde. Davon gut zu leben, ist schwierig, denn die anfallenden Kosten wie Personal, Futter usw. müssen immer bezahlt werden, auch wenn die Pferde keine Rennen gewinnen und keine Trainerprozente herein kommen um meinen Lohn zu bezahlen. Meine Teilzeitstelle gibt mir eine gewisse Sicherheit, überleben zu können, wenn es im Sport mal nicht so gut läuft.» Auch Isabelles Mann Peter Chrenka arbeitet auswärts, beziehungsweise unabhängig vom Rennbetrieb, hilft aber mit, wenn im Rennstall Not am Mann ist. Eine Chance den Trainingsbetrieb längerfristig wieder zu vergrössern sieht Isabelle darin, möglichst viele Teilhaber an Stallgemeinschaften zu gewinnen. «Auf anderen Wegen Besitzer, die gleich mehrere Pferde erwerben, zu finden, ist in der Schweiz kaum möglich.» sagt Isabelle Klein zur Frage, ob es weitere Möglichkeiten gebe, neue Besitzer zu akquirieren.

Modernisierung des Betriebes erfolgt in kleinen Schritten

Im Gespräch mit Isabelle und Karl hat man den Eindruck, dass die Ablösung an der Geschäftsspitze völlig reibungslos vonstatten gehe. Auf die direkte Frage, ob es nie ein Problem sei, neue Ideen in den Betrieb einzubringen und ihren Vater davon zu überzeugen, antwortet Isabelle: «Ich bin eher harmoniebedürftig und mag keine Streitereien. Entsprechend teile ich meinem Vater neue Ideen mit und lasse ihm Zeit, sich damit anzufreunden. Und schlussendlich stimmt er zu oder wir diskutieren darüber und finden einen Kompromiss. So habe ich schon einiges – zum Beispiel bei der Fütterung – modernisiert.» Isabelle bildet sich auch regelmässig weiter. So hat sie kürzlich ein Seminar an der Pferdeklinik Burg Müggenhausen bei Köln besucht, zum Thema «Lahmheiten und andere Beinprobleme» und konnte bei diesem Aufenthalt in Köln auch noch einen Morgen lang Trainer Peter Schiergen über die Schulter schauen und wertvolle Tipps bekommen.

Ziele und Wünsche

Isabelle Chrenka-Klein steht noch am Anfang einer Trainerkarriere, die hoffentlich genau so lang und erfolgreich wird wie die ihres Vaters. Ihr steht die Rennsportwelt noch offen und ihr Ziel ist es in erster Linie, einfach möglichst viele Rennen zu gewinnen. Auf Ziele die er noch erreichen möchte angesprochen meint auch Karl: «Immer noch das gleiche wie vor 35 Jahren, nämlich grosse Rennen gewinnen. Das Derby, den Jockey-Club und den GP St. Moritz habe ich noch nie gewonnen. Ob das noch unter meinem Namen passiert oder zukünftig unter Isabelles Regie ist egal, Hauptsache die Sieger kommen aus dem Rennstall Klein.» Ein paar Sekunden später kommt Karl dann doch noch ein Wunsch in den Sinn: «Ein Rennen in Auteuil würde ich gerne noch gewinnen. Diese Bahn und die Anforderungen die sie an die Pferde stellt, haben mich immer fasziniert.» Doch dann kommt gleich wieder der immer realistisch denkende Karl zum Vorschein, der abschliessend meint: «Aber im Moment ist kein solches Pferd in Sicht. Wir müssen mit dem arbeiten was wir haben und versuchen jeden Tag das Beste daraus zu machen.» Niemand wird je daran zweifeln, dass der unermüdliche Karl Klein noch ewig jeden Morgen in seinem Stall steht und jeden Tag sein Bestes gibt, für die Pferde und für den Schweizer Rennsport. Und Tochter Isabelle wird es ihm gleichtun.

7 Kommentare

  1. Lory Di Nardo

    Liebe Barbara, vielen Dank für den tollen Bericht über Karl Klein und Isabelle. Unvergessen Giottino und Great Spain und alle anderen oben erwähnten Galopper. Da kommen immer wieder schöne Erinnerungen hoch. Danke dafür! Herzliche Grüsse Lory

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    1. Barbara Würmli (Beitrag Autor)

      Danke. Es war auch schön, mit den beiden zusammen zu arbeiten.

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  2. Brigitte Bader

    toller Bericht und super geschrieben!

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    1. Barbara Würmli (Beitrag Autor)

      Danke!

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  3. V.Schneider

    Dieser Bericht ist super. Bravo an den Verfasser dieses Schreibens.

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    1. Barbara Würmli (Beitrag Autor)

      Die Verfasserin dankt für’s Kompliment!

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  4. sprenger-klein

    Super bericht ganz familie klein

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