Skikjöring-Pferde vorbereiten – eine spezielle Herausforderung

Einmal pro Jahr, während des Meetings in St. Moritz, finden Skikjöring-Rennen statt – als Weltexklusivität. Nur für bestenfalls drei Starts pro Jahr, Pferde neben dem normalen Training noch für diese spezielle Rennart zu schulen, ist aufwändig und deshalb eine Herausforderung. Diese nehmen immer weniger Schweizer Galopptrainer an. Dieses Jahr hatten in den unberittenen Skikjörings nur Carina Schneider und Pepi Stadelmann Starter. Im berittenen Prominenten-Skijöring war zusätzlich noch ein Pferd aus dem Quartier von Philipp Schärer im Einsatz. Alle anderen Pferde kamen aus Deutschland, wo diese Renndisziplin bei Trainern und Besitzern offenbar mehr Gefallen findet als in der Schweiz, dem Heimatland des Skikjörings.

Dass mit Carina Schneider eine Jungtrainerin, die erst seit sechs Jahren im Trainermetier aktiv ist, die Herausforderung Skikjöringpferde vorzubereiten angenommen hat, ist es wert, genauer nachzufragen.

Vom Fotografen genial eingefangen – Carina Schneider mit Pinot beim Skijöring-Training, mit Carinas Schwester Nicole Ulrich im Schlepptau. – Fotos: turffotos.ch

Nachgefragt bei Carina Schneider

Liebe Carina, danke, dass du dir für dieses Interview Zeit nimmst. Du bist erst seit sechs Jahren im Trainermetier, steigst auch nach wie vor als Rennreiterin auf der Flachen wie auch über die Sprünge in den Rennsattel und hast nun für das diesjährige Meeting in St. Moritz auch noch ein Skikjöringpferd vorbereitet. Liebst du das Risiko oder brauchst du spezielle Herausforderung als Motivation für deine tägliche Arbeit?

Carina Schneider: Ich brauche eine Mischung von beidem. Wobei ich meine Aktivitäten nicht als Risiko ansehe. Ich kenne meine Pferde in- und auswendig und wenn es vom Gewicht her möglich ist, reite ich sie deshalb auch gerne selber. Und Herausforderungen liebe ich. Da ich für diesen Beruf lebe, treiben Herausforderungen mich immer wieder an, neue Wege zu gehen und meinen Horizont in der Arbeit mit den Tieren zu erweitern.

Mit diesen Voraussetzungen kam auch Pinot – unser Skikjöring-Pferd – zu uns in den Rennstall. Durch seine vorgängigen Rennleistungen war er eigentlich alles andere als interessant. Dennoch habe ich gesehen, dass in ihm noch mehr steckt. Meine Herausforderung war es, diesem Pferd die Freude am Rennsport wieder zu geben. Im Training zeigte er stets Höchstleistungen, die er dann im Rennen nicht abrufen konnte. Mein erklärtes Ziel war es und ist es noch immer, dies zu ändern. Pinot ist ein sehr intelligentes Pferd, was dieses Unterfangen anfangs nicht einfach machte. Da ich einen kleinen Rennstall führe, war und ist es mir aber möglich, sehr individuell auf jedes Pferd einzugehen. Die ersten Erfolge aus dieser Arbeit zeigte Pinot nun in den Skikjöring-Rennen in St. Moritz mit einem vierten Platz im unberittenen und einem zweiten Platz im berittenen Promi-Rennen.

Was macht für eine Trainerin den speziellen Reiz am Skikjöring aus? Eigentlich tönt das Ganze doch vor allem nach viel Aufwand und wenig Ertrag, da nur an einem Meeting pro Jahr Skiköring-Rennen stattfinden.

Für mich ist das Skikjöring eine spannende Abwechslung im Rennkalender. Bei dieser Disziplin spielt die bisherige Leistung des Pferdes keine allzu wichtige Rolle. Im Skikjöring können top Pferde ebenso enttäuschen wie NoNames für grosse Überraschungen sorgen können. Der Kick dabei ist für mich, dass die Pferde im Skikjöring eigenständig und ohne Reiter im Sattel ihre Höchstleistungen bringen. Der Trainingsaufwand ist nicht viel grösser als bei der Vorbereitung auf normale Flachrennen. Jedoch braucht man am Renntag sehr viele Helfer. Im Skikjöring muss immer zu zweit geführt werden und man braucht drei Personen zum Einspannen des Pferdes und natürlich muss auch noch ein Fahrer engagiert werden.

Starker Charakter ideal bei Skikjöring-Pferden

Welche Eigenschaften braucht ein Rennpferd um für Skikjörings geeignet zu sein?

Es braucht vor allem einen starken Charakter und viel Ehrgeiz. Diese Disziplin funktioniert nur, wenn das Pferd von sich aus laufen und gewinnen will. Es muss aber auch mit der Distanz zurecht kommen und einfach zu leiten und lenken sein.

Pinot in St. Moritz in voller Aktion – hochkonzentriert und bereit alles zu geben.

Skikjöring-Pferde werden nicht nur in dieser Disziplin eingesetzt, sondern laufen während der grünen Saison «normale» Rennen. Wie gestaltet sich das Training von Skikjöring-Pferden über das ganze Jahr? Wird es erst im Winter angepasst oder richtet man die Arbeit mit dem Pferd und die Renneinsätze während des ganzen Jahres auf die Schneerennen aus?

Da die Skijöring-Rennen für die Pferde physisch sehr anstrengend sind, beziehe ich sie in meine gesamte Saisonplanung mit ein. Es ist wichtig, dass im Spätsommer/Herbst die Möglichkeit einer Rennpause besteht. Entgegen ihren Mitstreitern haben die Skijöring-Pferde im Winter keine Trainingspause. Durch die geographisch gute Lage meines Rennstalls, kann ich bereits beim ersten Schnee in der Saison ohne grossen Aufwand mein Training auf eine auf 1100 Meter über Meer gelegene Trainingsbahn in meiner Nähe verlegen. Durch diesen Vorteil kann ich die Pferde optimal an die Unterlage gewöhnen und ihre Leistung so konditionieren, dass die Höhe von St. Moritz für sie kein Problem ist.

Ans Geschirr gewöhnen braucht Fingerspitzengefühl

Kannst du den Lesern in einigen Sätzen erklären, wie die Ausbildung und Vorbereitung eines Skikjöring-Pferdes aussieht?

Die beiden Skijöring-Rennen in St. Moritz waren für mich als Trainerin die ersten. Umso glücklicher war ich, dass ich den Skijöring-Profi Lupo an meiner Seite hatte. Durch seine über dreissigjährige Erfahrung in dieser Disziplin konnte ich von vielen Tipps und seiner schier endlosen Erfahrung profitieren. Er zeigte mir, wie die Pferde ideal eingeschirrt werden und gab mir die nötige Ruhe bei den ersten Versuchen. Es ist extrem wichtig, dass man das Pferd in den gesamten Prozess integriert, ihm die einzelnen Bestandteile des Geschirrs zeigt und ihm auch genug Zeit lässt, sich daran zu gewöhnen. Schliesslich unterscheidet sich ja so ein Geschirr doch sehr vom üblichen Sattelzeug.

Nach gelungener Angewöhnung wird das Pferd dann von zwei Personen geführt, während eine dritte Person hinterher läuft und das Geschirr kontinuierlich unter aufbauender Spannung hält. Dies ist auch der erste Moment, in dem man erkennt, ob sich ein Pferd für diese Disziplin eignet. In der Fortsetzung des Trainings ist es wichtig, diese Abläufe regelmässig zu wiederholen, damit sie für das Pferd nichts Spezielles mehr sind.

Sobald die Schneebedingungen passen, starte ich dann mit dem berittenen Training und einem Skifahrer am Geschirr. Auf diesem Weg kann sich das Pferd an die Geräusche der Skier gewöhnen und ich kann es dabei in allen Belangen aus dem Sattel unterstützen. Und im wöchentlichen Longentraining arbeitete ich mit Pinot an den langen Zügeln. So lernte er die Steuerbewegungen durch das Geschirr zu akzeptieren und umzusetzen.

Die Trainerin fieberte in St. Moritz an den Rails mit und war wohl noch angespannter als Pinot.

Skikjöring birgt Gefahren

Skikjörings gelten tendenziell als gefährlicher für die Pferde als Flachrennen. Dies weil es immer wieder zu Verletzungen durch Kanten von Skiern kommt und es auch schon Unfälle gab, weil sich fahrerlose Pferde in den Leinen verheddert haben. Macht dir das keine Angst?

Wenn es mir Angst machen würde, könnte ich meine Pferde nicht zu solchen Rennen antreten lassen. Aber diese Umstände erhöhen natürlich die Aufregung während den Rennen immens. Die gefährlichste Phase ist eigentlich der Start. Sobald sich das Feld einigermassen einsortiert hat, legt sich dann auch die Aufregung wieder ein bisschen. Trotzdem kann es natürlich auch im weiteren Rennverlauf zu Vorfällen kommen.

Als professionelle Trainerin muss ich mir immer wieder vor Augen halten, dass in jedem Rennen etwas passieren kann. Da spielt die Disziplin keine spezielle Rolle. Ausserdem verbringen meine Rennpferde auch viel Zeit auf Weiden und Paddocks. Ich darf mir gar nicht vorstellen, was da alles passieren könnte…

Pinot – dein Skikjöringpferd – hat gleich bei seinem ersten Start in dieser Disziplin einen vierten Rang erzielt, ist er ein Naturtalent?

Pinot hat grosse Freude daran, einen Skifahrer zu ziehen. Ausserdem konnte ich ihn dieses Jahr perfekt auf den WhiteTurf vorbereiten. Während dem Training konnte er ein starkes Selbstvertrauen aufbauen und lernte, auch ohne Reiter im Sattel selber Entscheidungen zu treffen. Daher bin ich überzeugt, dass wir im Skikjöring seine Lieblingsdiszplin gefunden haben.

Nach den ersten zwei Starts in den «normalen» Skikjörings hast du dich entschieden, Pinot am dritten Rennwochenende im Rahmen des Night Turfs im berittenen Prominenten-Skijöring laufen zu lassen, wo er guter Zweiter wurde. Nachdem der dritte Rennsonntag abgebrochen werden musste, kann man sagen, dass du ein gutes Näschen hattest. Warum hast du dem Prominenten-Rennen den Vorrang gegeben?

Das Prominenten-Skijöring war von Anfang an das erklärte Ziel für ihn. Nach den beiden unberittenen Rennen wurde dieses Promi-Skijöring quasi zu einem Übergangsrennen in die grüne Saison. Er konnte da voller Freude einen Skifahrer ziehen und sein Rennen mitgestalten obwohl er wieder einen Reiter im Sattel hatte.

Wie sieht deine Zukunft als Skikjöring-Trainerin aus? Wird Pinot und allenfalls auch weitere deiner Pferde auch nächstes Jahr in dieser Disziplin am Start sein?

Für Pinot gehören die Skijöring-Rennen 2018 in St. Moritz auf jeden Fall in die Saisonplanung. Eine weiteres geeignetes Pferd habe ich zur Zeit nicht im Training, aber man weiss ja nie, was die kommende Saison noch alles bringen wird…

Vielen Dank, Carina, dass du mir und den Lesern über diese spezielle Disziplin Skikjöring so detailliert Auskunft gegeben hast. Wir wünschen dir und deinen Pferden für die bald beginnende Grassaison viel Glück und tolle Erfolge.

 

2 Kommentare

  1. Lory Di Nardo

    Liebe Barbara, danke für den interessanten Bericht. Schön, wie Carina Schneider eine Herausforderung und Motivation für Pinot gesucht (und gefunden) hat. Dies kommt in Deinem Bericht sehr gut rüber. Viele Grüsse Lory

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    1. Barbara Würmli (Beitrag Autor)

      Danke fürs Kompliment.

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